Der 24-jährige Kenianer Patrick Makau hat gestern den 38. Berlin Marathon mit einem neuen Weltrekord von 2:03:38 Stunden gewonnen. Mit dieser Zeit war er genau 21 Sekunden schneller, als der bis dahin amtierende Weltmeister Haile Gebrselassie.
Wer mich persönlich kennt, der weiß, dass ich selbst auch Marathonläufer bin. Glücklicherweise muss ich aber mein Geld nicht damit verdienen. Dafür würden bescheidene 3:49:10 Stunden wohl kaum ausreichen. Das ist aber nicht der Grund, warum ich diesen Weltrekord in unserem Blog würdigen möchte. Dies tue ich aus einem ganz anderen Grund.
Bemerkenswert ist nämlich die drastische Steigerung der eigenen Bestzeit des Kenianers. Makau hatte bereits im letzten Jahr in Berlin gesiegt. Damals noch im strömenden Regen in 2:05:08 Stunden. Gestern lief er 1,5 Minuten schneller als vor 12 Monaten. Das ist im Marathonsport eine ganze Welt! Diesen Vorsprung kann man sich nur mit eiserner Disziplin und dem unbedingten Willen zum Sieg erarbeiten. Faulheit, Nachlässigkeit oder gar Schlamperei sind bei einem solchen Vorhaben keine Optionen.
Ich muss an dieser Stelle einmal ganz ehrlich gestehen, dass mich solche Nachrichten motivieren, wie kaum etwas anderes. Ein Marathonlauf ist eine Grenzerfahrung. Während dieser 42,195 Kilometer erleben Sie zahlreiche Hochs und Tiefs. Spätestens ab Kilometer 35 überwiegen die Stimmungstiefs. Das ist meistens der Punkt, an welchem die „schnellen“ Energiedepots in den Muskeln aufgebraucht sind und der Körper nur noch auf Fett läuft. Wenn Sie diesen Energiestoffwechsel nicht ausreichend oft trainiert haben, erwischt Sie der sogenannte „Hammermann“. Das fühlt sich dann manchmal wirklich so an, als sei man vor eine unsichtbare Wand gelaufen.
An diesem Punkt ist es wichtiger als alles andere, sich selbst zu motivieren. Wer es jetzt nicht schafft, die letzten Kilometer „mit dem Kopf“ zu laufen, der hat in der Regel schon verloren. Nicht umsonst heißt es: „Den Marathon gewinnt man im Kopf.“
Die Anzahl der Fußgänger steigt jedenfalls ab Kilometer 35 sprunghaft an. Umso berauschender ist es, wenn Sie es auf dem Tief schaffen, sich selbst zu motivieren und weiterzulaufen. Wer schon einmal an einem sonnigen Herbsttag durch das Marathontor ins Münchener Olympiastadion eingelaufen ist, der weiß, wie sich Gänsehaut am ganzen Körper anfühlt. Ich kenne kein vergleichbares Gefühl.
Ich habe diesen Sieg über mich selbst zu meinem persönlichen Mantra gemacht. Auch in meinen Projekten erlebe ich zuweilen Situationen, die großes Durchhaltevermögen und den unerschütterlichen Willen zum Erfolg erfordern. In solchen Situationen rufe ich mir gerne die langgezogene Steigung vor dem Ziel in Hamburg vor Augen, an der ich fast (fast!) gescheitert wäre. Oder die äußerst schmerzhaften Krämpfe in beiden Oberschenkeln auf den letzten Kilometern des Wien-Marathons.
In meinem Büro hängt eine Fotografie des Zieleinlaufs von eben diesem Marathon in Wien. In meinem Gesicht ist kein Anzeichen von Schmerz erkennbar – nur 100% Glück. Ein Blick auf dieses Foto genügt. Dann weiß ich wieder, dass „unmöglich“ eben auch nur ein Wort ist.
Herzlichen Glückwunsch Patrick Makau!


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