Die Spannweite der Meinungen wird deutlich, wenn wir uns die Überschriften der beiden polarisierenden Artikel anschauen. Zunächst titelte die ZEIT ONLINE "Mitarbeiter sind zweitrangig". Sattelberger, Kienbaum und andere Experten wurden darin mit neueren Statements zitiert. Quitessenz: Der Niedergang der HR-Funktion ist nicht mehr aufzuhalten. Postwendend konterte der Humanresourcesmanager mit der Schlagzeile "Nein, HR geht nicht unter". In letzterem Artikel trat Jan C. Weilbacher den Gegenbeweis an und tat den Zeit-Artikel als "Unsinn" ab.
Was ist überhaupt HR?
Das Hauen und Stechen wurde anschließend von den zahlreichen Bloggern aufgegriffen und publikumswirksam ausgeschlachtet. Bezeichnend finde ich, dass neben all der Kritik kaum konstruktive Lösungen vorgeschlagen werden. Selbst Weilbacher kommt nicht umhin, in seiner Gegendarstellung die Frage aufzuwerfen "Was ist überhaupt HR?". In der selbst gegebenen Antwort finden wir als Themen für HR - welch eine Überraschung - die bekannten Verdächtigen "Talente finden, gesunde Führung, flexible Organisationen". Gääähhhn ... Hoppla - da wäre ich doch fast eingeschlafen.
Zum Erfolg beitragen
Machen wir es mal ganz einfach: wenn ein Vertriebsmitarbeiter ein Produkt mit 20% Gewinn verkauft, dann hat er zum Erfolg des Unternehmens beigetragen. Richtig? Das ist ein messbarer (!) Erfolg, der vorgezeigt werden kann und wahrgenommen wird. Gut gemacht. Sind wir da soweit beieinander? OK.
Jetzt übertragen wir das Szenario auf den Bereich Human Resources. Ich werde dabei nicht den Fehler machen, mich in Einzeldisziplinen wie Recruiting, Personalentwicklung oder dem strategischen Personalmanagement zu verzetteln. Wir müssen es einfach machen und holistisch betrachten, damit es klar wird. Also: Wenn es HR nicht ebenfalls schafft, die eigenen (Wert)Beiträge messbar zu machen und zu präsentieren, dann können Sie twittern, employer branden und active sourcen bis die Hölle einfriert - es wird sich in der Wahrnehmung bei den Entscheidern absolut gar nichts ändern.
Was wirklich zählt
Den Geschäftsführer oder Vorstand des Unternehmens, das Eure Gehälter bezahlt, interessiert es nicht, ob Ihr eine tolle Prozess-Dokumentation erstellt, Active Sourcing eingeführt oder die Work-Life-Balance der Mitarbeiter verbessert habt. Die Entscheider wollen nicht wissen, was Ihr tut, sondern wie das, was Ihr tut, zum Erfolg des Unternehmens beiträgt.
Wir HRler feiern uns und unsere innovativen Ansätze regelmäßig auf den zahlreichen Jahrensforen. Stattdessen sollten wir mindestens jede Woche einmal beim Geschäftsführer sitzen und unsere (hoffentlich guten) Zahlen präsentieren. Nur so bekommen wir unsere Chance auf einen Sitz am Tisch der Entscheider. Und da gehört HR nach meiner festen Überzeugung auch hin. Wohl gemerkt: HR gehört dort hin - nicht jedoch jeder beliebige HR Manager. Diesen Platz dürfen nur Top Manager für sich beanspruchen. Und selbst die sollten sich den Anspruch im eigenen professionellen Interesse hart erarbeiten.
An alle Blogger
Eines liegt mir noch am Herzen. Wir (die Blogger) müssen aufpassen, dass wir nicht zur Lagerbildung beitragen. Es ist so leicht, sich das Maul über die eine oder die andere Meinung zu zerreißen. Unter dem Strich ist das einer Lösung jedoch eher abträglich. Wenn wir schon kritisieren, sollten wir gleichzeitig konkrete Lösungen anbieten. Das im Herbst erscheinende Competence Book zum Thema HR-Effizienz ist z. B. ein guter Schritt in die richtige Richtung.
Ansonsten, liebe Personaler: Haltet es wie der Dicke mit der Zigarre - niemals aufgeben!
„We shall go on to the end, we shall fight in France, we shall fight on the seas and oceans, we shall fight with growing confidence and growing strength in the air, we shall defend our Island, whatever the cost may be, we shall fight on the beaches, we shall fight on the landing grounds, we shall fight in the fields and in the streets, we shall fight in the hills; we shall never surrender."


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