Interimsmanagement Provider sind ganz schlechte Menschen. Sie verstehen nichts von Bewerberauswahl und Beraterprofilen. Und überhaupt ist unsere Vorauswahl fehlerhaft und die Kandidatenvorschläge für unsere Kunden ganz und gar unqualifiziert.
Sie sind anderer Meinung? Nun, dieses Feedback erhalte ich zumindest regelmäßig von einzelnen Kolleginnen und Kollegen. So z. B. auch in der letzten Woche.
Wir hatten von einem unserer Kunden den Auftrag erhalten, einen Geschäftsführer mit operativer Vertriebserfahrung für ca. 6 Monate zur Verfügung zu stellen. Nachdem wir diese Position in unserem Netzwerk ausgeschrieben hatten, haben wir innerhalb kürzester Zeit über 20 Bewerbungen erhalten. Darunter waren drei Profile von Kollegen, welche das Profil nahezu perfekt erfüllten. Wenn eine Vorauswahl so eindeutig ausfällt, dann informieren wir die übrigen Manager aus Gründen der Fairness umgehend und schicken ihnen eine freundliche Absage. Das gebietet die Höflichkeit – auch wenn manche Provider das nicht so handhaben.
Unsere Entscheidung wurde danach jedoch von einzelnen Interimsmanagern angezweifelt. Da war dann in den Antwortmails zu lesen, dass ich keine Ahnung hätte, wie man Managerprofile liest und bewertet. Die betroffenen Kollegen sahen sich ungerecht behandelt, stellten ihre hervorragende Qualifikation und langjährige Erfahrung in den Vordergrund. Einer verlangte sogar die Herausgabe des Kundennamens, damit er sich dort direkt bewerben könne.
Ich gebe zu, dass ich mich noch immer über diese Reaktionen ärgere. Ein solches Verhalten ist nicht nur absolut unprofessionell – es hinterlässt auf dem Profil des jeweiligen Kollegen auch einen so nachhaltigen Stempel, dass wir vermutlich bei zukünftigen Anfragen nicht mehr auf dessen Unterstützung zurückgreifen werden.
Ich arbeite nun seit über 17 Jahren im Recruiting und habe in meinem Leben weit über 1000 qualifizierte Kandidateninterviews selbst geführt. Ich habe Assessment-Center durchgeführt, bin ausgebildeter Gesprächstherapeut und habe umfangreiche Erfahrungen in der Eignungsdiagnostik. Die Beurteilung von Mitarbeitern, vom Azubi bis zum Geschäftsführer, ist seit Jahren mein tägliches Brot. Da bitte ich einfach um Verständnis wenn ich für uns in Anspruch nehme, dass wir von Bewerberauswahl – auch im Interim Management - eine ganze Menge verstehen.
Ich kann menschlich verstehen und nachvollziehen, dass eine Absage immer auch eine Enttäuschung ist. Aber wir betreiben unser Geschäft nicht, um den Interim Managern zu gefallen. Unsere Aufgabe besteht darin, für unsere Kunden den am besten qualifizierten Kandidaten zu identifizieren. Und in einem solchen Prozess sollte auch der (nach eigener Ansicht) Beste akzeptieren, dass es vielleicht immer noch einen Kollegen oder eine Kollegin gibt, der/die punktuell eine bessere Eignung mitbringt.
Übrigens: die meisten Interim Manager welche von uns eine Absage erhalten, gehen mit dieser Information uneingeschränkt professionell um. Häufig erhalten wir sogar ein „Danke“ dafür, dass wir so rasch und offen informieren. Das wiederum freut mich dann sehr und lässt mich wieder glauben, dass Interim Management Provider – zumindest in den Augen mancher Kollegen – doch keine so schlechten Menschen sind.


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