Denn zwischen den Zeilen steht: die deutschen Athleten sind alle Nullen, können nichts und repräsentieren die BRD in unerträglich schlechter Weise. Jeder kasachische Bauer springt höher, läuft schneller und trifft wenigstens ab und zu mal das Tor. Wenn man einmal den Umstand außer acht lässt, dass dieser gewollt abwertende Vergleich eine Beleidigung für die kasachischen Athleten ist bleibt immer noch die Tatsache, dass die deutschen Spitzensportler auf die gleiche Stufe mit Faulenzern gestellt werden.
Mir ist es ohnehin unerklärlich, warum viele unserer Mitbürger so ein Bohai um die Leistungen von Olympiateilnehmern oder „ihrer“ Fußballmannschaft machen. Jedes verlorene Spiel wird da gleich zum Staatsakt hochstilisiert. Jeder Schuß neben das Tor gibt Anlass, den Spieler als überbezahlten Tagedieb einzustufen. Wenn ein Roman Abramovic dies tut, dann mag das noch ansatzweise eine Berechtigung haben – immerhin ist er tatsächlich Besitzer „seines“ Fussballclubs. Wenn Max Müller jedoch solche Kommentare in bierseeliger Stimmung verlauten lässt, dann finde ich das doch eher schäbig.
Noch merkwürdiger ist, dass man den – in der Regel übergewichtigen - Herrn Müller niemals über die eigenen Unzulänglichkeiten klagen hört. „Ich war am Wochenende wieder zu faul zum Laufen.“ oder „Das neue Rennrad steht jetzt schon seit drei Monaten im Keller.“ Das hat für mich die gleiche Qualität wie „Ich glaube, am Montag mache ich krank.“ Ich kenne leider zu viele Menschen, denen das Leistungsprinzip abhanden gekommen ist. Der Respekt vor erbrachter Leistung gehört offenbar nicht mehr zu den Tugenden der Deutschen.
Ich persönlich bin der Meinung, dass sich Leistung lohnt. Und nicht nur aus diesem Grund leiste ich gerne viel. Sowohl im Sport als auch in meiner Arbeit. Wenn es meine Projektarbeit z. B. nicht anders zulässt, dann stehe ich halt um 5 Uhr auf und gehe eine Stunde Laufen. Zugegeben – das macht keinen Spaß. Aber wer hat denn behauptet, dass alles im Leben Spaß machen muss? Wir leben nicht in einer Spaßgesellschaft. Das ist ein Trugschluss.
Leistung verdient Anerkennung! Ich brauche keinen Applaus dafür, dass ich frühmorgens im Wald die Rehe zähle. Wir sollten aber anerkennen, dass auch die viertplatzierten Sportler eine lange und anstrengende Trainingszeit absolviert haben, um bei den olympischen Spielen teilnehmen zu können. Jeder der es soweit schafft, ist bereits ein Sieger! Und daher möge sich bitte jeder zunächst an die eigene Nase (oder wahlweise an den dicken Bauch) fassen, bevor er die Leistungen anderer Menschen kritisiert.


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